Prêt-à-porter vs. Freakshow
Jetzt habe ich mir über ein halbes Jahr Zeit gelassen um mit etwas Abstand und abgekühlten Emotionen über meine Hundeschau-Erlebnisse des letzten Sommers zu berichten. Vorab sei gesagt das ich nicht im Geringsten etwas gegen den Deutschen Schäferhund habe.
Es war an einem sommerlichen Tag des Jahres 2009 an dem ich mich wunderte, dass anhaltendes, scheinbar 100-faches Gebelle auf meinen Balkon schallte. Bei einer darauffolgenden neugiergetriebenen Gassirunde, die mich an die 2 km entferte Donau führte, fiel es mir wieder ein: Die Weltmeisterschaft der Schäferhunde machte dieses Wochenende wieder in unserer Stadt halt. In Zahlen hieß das: 2.000 vierbeinige Teilnehmer mit 30.000 zweibeinigen Fans - beides aus aller Welt. Jede noch so kleine Wiese rund um das Ausstellungsgelände war mit einem Zelt oder einem Wohnwagen versehen und man konnte etlichen gassigehenden Hund-Halter-Gespanne sehen und hören.
In der Tageszeitung des nächsten Tages war ein Schäferhund abgebildet, der unter dem Jubel von tausenden Zuschauern herzaft in einen dargebotenen, gepolsterten Menschenarm biss. Im Text wurde erklärt, dass es bei einem weltmeisterwürdigen Schäferhund nicht nur auf die richtigen Körper-, und Kopfproportionen, sondern auch auf die Triebfestigkeit ankommt.
Triebfestigkeit? Ich war mir unsicher welcher Trieb dort gemeint war. Der stärkste Trieb unseres Hundis ist ja bekanntlich das Futtern:-) Aber der FCI-Rassestandard gab Aufschluß. Dort steht unter Wesen: Der Deutsche Schäferhund muß vom Wesensbild her ausgeglichen, nervenfest, selbstsicher, absolut unbefangen und (außerhalb einer Reizlage) gutartig sein, dazu aufmerksam und führig. Er muß Mut, Kampftrieb und Härte besitzen, um als Begleit-, Wach-, Schutz-, Dienst- und Hütehund geeignet zu sein. Für mich heißt das - in einer Reizlage darf und soll er kräftig zubeißen.
Szenenwechsel, Mattstett bei Apolda. Wir hatten unsere Hündin in der Veteranenklasse der Jubiläums-Schau zum 25-jährigen Bestehen der Gesellschaft der Bullterrier Freunde e. V. gemeldet. Ein kleines Hinweisschild und ein Feldweg reichten dort aus, um den paar verbliebenen Liebhabern der Rassen Bullterrier, Miniatur Bullterrier, Staffordshire Bullterrier und American Staffordshire Terriern den Weg zu weisen. Da ich das erstemal dort war, konnte ich nicht glauben das das Ausstellungsgelände gleich hinter der Hecke lag, denn....ich hörte ja nichts. Und ich meine wirklich nichts: kein Bellen, Quitschen, Jaulen, Schimpfen...einfach nichts.
Und dann waren wir auch schon mittendrin - Teil einer Gruppe von Freaks im positivsten Sinne. Nämlich Menschen die zum Teil noch interessanter, bunter und vielfältiger als ihre Partner am unteren Teil der Leine waren und sich nicht um die Meinung anderer kümmern, bzw. sich nicht durch die Politik von Ihrer Liebe zur Bullterrier-Rasse abbringen lassen. In Picknik-Atmosphäre und bei echter Thüringer Bratwurst (lecker) und Cola hatte ich viel Zeit die Hund/Halter Gespanne um mich herum zu beobachten. Dort wurde getätschelt, gut zugeredet und ungehemmt geküsst - gerade bei den Bullterriern. Aber auch im Allgemeinen lag über dem Platz mit ca. 350 Hunde viel Ruhe und Liebe. In den 8 Stunden konnte ich keine einzige Rangelei beobachten. Ich dachte immer meine Hündin wäre die einzige Knutschkugel, lernte aber an diesem Tag, dass es sich wohl eher um ein Rassemerkmal handelt.
Wobei ich auch hier sicherheitshalber noch einmal im FCI-Rassestandard nachgelesen habe. Das Wesen des Bullterriers soll demnach wie folgt sein: Der Bull Terrier hat ein ausgeglichenes Wesen und ist diszipliniert. Obgleich sehr eigensinnig, ist er im besonderen sehr gut gegenüber Menschen.
Aha, haben Sie es gemerkt?! Bei der Bullterrierzucht ist darauf zu achten das die Hunde gut zum Menschen sind. Bei der Schäferhundzucht ist es wichtig, dass er wenn nötig den selbigen packt. Aber welche Hunderasse von beiden ist es, für die eigene Verordnungen zum Schutz der Menschheit entworfen werden? Seltsam, seltsam...

BloggerAmt
Es war an einem sommerlichen Tag des Jahres 2009 an dem ich mich wunderte, dass anhaltendes, scheinbar 100-faches Gebelle auf meinen Balkon schallte. Bei einer darauffolgenden neugiergetriebenen Gassirunde, die mich an die 2 km entferte Donau führte, fiel es mir wieder ein: Die Weltmeisterschaft der Schäferhunde machte dieses Wochenende wieder in unserer Stadt halt. In Zahlen hieß das: 2.000 vierbeinige Teilnehmer mit 30.000 zweibeinigen Fans - beides aus aller Welt. Jede noch so kleine Wiese rund um das Ausstellungsgelände war mit einem Zelt oder einem Wohnwagen versehen und man konnte etlichen gassigehenden Hund-Halter-Gespanne sehen und hören.
In der Tageszeitung des nächsten Tages war ein Schäferhund abgebildet, der unter dem Jubel von tausenden Zuschauern herzaft in einen dargebotenen, gepolsterten Menschenarm biss. Im Text wurde erklärt, dass es bei einem weltmeisterwürdigen Schäferhund nicht nur auf die richtigen Körper-, und Kopfproportionen, sondern auch auf die Triebfestigkeit ankommt.
Triebfestigkeit? Ich war mir unsicher welcher Trieb dort gemeint war. Der stärkste Trieb unseres Hundis ist ja bekanntlich das Futtern:-) Aber der FCI-Rassestandard gab Aufschluß. Dort steht unter Wesen: Der Deutsche Schäferhund muß vom Wesensbild her ausgeglichen, nervenfest, selbstsicher, absolut unbefangen und (außerhalb einer Reizlage) gutartig sein, dazu aufmerksam und führig. Er muß Mut, Kampftrieb und Härte besitzen, um als Begleit-, Wach-, Schutz-, Dienst- und Hütehund geeignet zu sein. Für mich heißt das - in einer Reizlage darf und soll er kräftig zubeißen.
Szenenwechsel, Mattstett bei Apolda. Wir hatten unsere Hündin in der Veteranenklasse der Jubiläums-Schau zum 25-jährigen Bestehen der Gesellschaft der Bullterrier Freunde e. V. gemeldet. Ein kleines Hinweisschild und ein Feldweg reichten dort aus, um den paar verbliebenen Liebhabern der Rassen Bullterrier, Miniatur Bullterrier, Staffordshire Bullterrier und American Staffordshire Terriern den Weg zu weisen. Da ich das erstemal dort war, konnte ich nicht glauben das das Ausstellungsgelände gleich hinter der Hecke lag, denn....ich hörte ja nichts. Und ich meine wirklich nichts: kein Bellen, Quitschen, Jaulen, Schimpfen...einfach nichts.
Und dann waren wir auch schon mittendrin - Teil einer Gruppe von Freaks im positivsten Sinne. Nämlich Menschen die zum Teil noch interessanter, bunter und vielfältiger als ihre Partner am unteren Teil der Leine waren und sich nicht um die Meinung anderer kümmern, bzw. sich nicht durch die Politik von Ihrer Liebe zur Bullterrier-Rasse abbringen lassen. In Picknik-Atmosphäre und bei echter Thüringer Bratwurst (lecker) und Cola hatte ich viel Zeit die Hund/Halter Gespanne um mich herum zu beobachten. Dort wurde getätschelt, gut zugeredet und ungehemmt geküsst - gerade bei den Bullterriern. Aber auch im Allgemeinen lag über dem Platz mit ca. 350 Hunde viel Ruhe und Liebe. In den 8 Stunden konnte ich keine einzige Rangelei beobachten. Ich dachte immer meine Hündin wäre die einzige Knutschkugel, lernte aber an diesem Tag, dass es sich wohl eher um ein Rassemerkmal handelt.
Wobei ich auch hier sicherheitshalber noch einmal im FCI-Rassestandard nachgelesen habe. Das Wesen des Bullterriers soll demnach wie folgt sein: Der Bull Terrier hat ein ausgeglichenes Wesen und ist diszipliniert. Obgleich sehr eigensinnig, ist er im besonderen sehr gut gegenüber Menschen.
Aha, haben Sie es gemerkt?! Bei der Bullterrierzucht ist darauf zu achten das die Hunde gut zum Menschen sind. Bei der Schäferhundzucht ist es wichtig, dass er wenn nötig den selbigen packt. Aber welche Hunderasse von beiden ist es, für die eigene Verordnungen zum Schutz der Menschheit entworfen werden? Seltsam, seltsam...
BloggerAmt
eigentlichegal - 22. Jan, 19:42


Aber anscheinend schon eine Gefahr für die Sicherheit der gesamten Münchner Innenstadt. 






